Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

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Das Internationale Studienzentrum trauert um seinen Gründer und langjährigen Direktor, Professor Dr. Dr. h.c. Diether Raff.

Professor Dr. Dr. h.c. Diether Raff
Foto: Rothe

Professor Raff leitete als Direktor bis zum Jahr 1990 das Studienkolleg der Universität Heidelberg. Um die Studienvorbereitung der internationalen Studierenden an der Universität Heidelberg zu optimieren, führte er 1990 das Studienkolleg und das von ihm neu gegründete Kolleg für deutsche Sprache und Kultur zum Internationalen Studienzentrum (ISZ) zusammen, dem er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1998 als Direktor vorstand.

Seine Arbeit am ISZ war stets von dem Bemühen getragen, internationalen Studierenden eine möglichst umfassende sprachliche und fachspezifische Vorbereitung auf ein Studium anzubieten und ihnen damit die Chance zu geben, ein Studium an einer deutschen Universität mit Erfolg zu absolvieren. Sie sollten, wie er stets formulierte, „Freunde unseres Landes“ werden und als solche in ihre Heimat zurückkehren, um das in Deutschland Gelernte und Erfahrene zu nutzen und weiterzugeben.

Schon als junger Student war Diether Raff begeistert von der Idee des Austauschs zwischen verschiedenen Ländern. So war er unter den ersten Heidelberger Studenten, die 1954/55 zum Studium nach Montpellier gingen und bereits 1957, lange vor dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag von 1963, eine Freundschaftsurkunde ausfertigten. Sein Interesse an fremden Kulturen und die Begeisterung für die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Länder und Kulturkreise begleiteten ihn ein Leben lang und haben ihn geprägt. Während seiner Tätigkeit am Studienkolleg, wo er von 1963 an internationale Studierende zunächst im Fach Geschichte unterrichtete, nahm er Gastdozenturen in verschiedenen Ländern wahr: im Rahmen des Fulbright Programms in St. Louis und an der University of California in Irvine, an der Foreign Studies University Beijing und an der Universität Paul Valéry in Montpellier.

Es waren diese Auslandsaufenthalte und die von ihm stets als bereichernd erlebten Begegnungen mit Menschen fremder Länder, die ihn veranlassten, sich neben seiner Tätigkeit am Studienkolleg und später am Internationalen Studienzentrum für die Internationalisierung der Universität Heidelberg zu engagieren: Von 1974 bis 1995 war er Geschäftsführender Vorsitzender des Senatsausschusses für Internationale Hochschulfragen, von 1979 bis 2000 und von 2005 bis 2012 Universitätsbeauftragter für die Partnerschaftsbeziehungen der Universität Heidelberg zu den Universitäten Montpelliers, von 1983 bis 1998 Beauftragter für die Partnerschaftsbeziehungen zu der Foreign Studies University Beijing. Von 1992 bis 2007 war er Beauftragter des „Advanced Placement Program“ des College Board New York für Deutschland. Schließlich, von 1996 bis 1999, amtierte er als Beauftragter des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württembergs für die Zusammenarbeit mit der Universiti Institut Teknologi Mara in Shah Alam, Malaysia.

Bei all seinen mit großer Leidenschaft betriebenen Projekten im In- und Ausland war es die deutsch-französische Partnerschaft, die ihm besonders am Herzen lag, für die er sich bis weit über seine Pensionierung hinaus engagierte. Er setzte sich ein für die Gründung des Heidelberg-Hauses in Montpellier und für das Montpellier-Haus in Heidelberg, viele Jahre lang hatte er den Vorsitz des Trägervereins des Heidelberg-Hauses in Montpellier inne und war von 2013 an dessen Ehrenpräsident. Für Verdienste um diese deutsch-französische Partnerschaft erhielt Professor Raff zahlreiche Auszeichnungen: 1988 wurde er Chevalier, 1995 Officier dans l’ordre de Palmes académiques, 1991 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande, 1996 die Universitätsmedaille verliehen. 2005 wurde er Ehrenbürger der Stadt Montpellier und Ehrensenator der Ruprecht-Karls-Universität, 2013 erhielt er die Ehrenmedaille der Stadt Heidelberg, 2015 wurde er zum Chevalier dans l’ordre national du Mérite Frankreichs ernannt und erhielt schließlich, 2019, den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg. In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Verdienstordens würdigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann Professor Raffs Rolle bei der Gestaltung der Partnerschaft mit Frankreich und erwähnte, ihm sei als Historiker klar gewesen, dass Geschichte auch in Begegnungen zwischen Menschen gemacht werde.

Und tatsächlich war es die Begegnung zwischen Menschen, vor allem verschiedener Länder und Kulturkreise, die ihn sein Leben lang faszinierten. Menschen zusammenzubringen und sich gemeinsam mit ihnen für bessere Beziehungen zueinander einzusetzen, waren ihm Lebenselixier und Verpflichtung zugleich. Er liebte den Umgang mit internationalen Besuchern der Universität Heidelberg, sie waren ganz selbstverständlich und immer wieder Gäste in seinem Haus, dem dienstlichen wie dem privaten, und er kümmerte sich stets um alles persönlich, nicht nur um die großen Dinge, sondern auch um viele Kleinigkeiten – immer nach dem Motto: „Wer zu groß ist für das Kleine, ist zu klein für das Große“.

Welcher Aufgabe er sich auch widmete, er tat es immer mit großer Verve und getragen von einem ganz persönlichen Interesse an den Belangen der Beteiligten. Mit dem gleichen Engagement und mit dem gleichen persönlichen Einsatz, mit dem er die Partnerschaften förderte, kümmerte er sich um „seine Studierenden“ und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an deren Vorankommen ihm immer gelegen war. Er nahm sich ihrer Belange an, war nicht nur mit Lehrinhalten, Prüfungsordnungen, Beschreibungen von Dienstaufgaben etc. befasst, sondern immer auch mit den ganz persönlichen Problemen derer, für die er sich verantwortlich fühlte. So sorgte er dafür, dass die Studierenden ein Dach über dem Kopf hatten, wenn sie noch kein Zimmer gefunden hatten, handelte ihnen einen „Freitisch“ in der Mensa aus, wenn sie mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten, und zeigte ihnen Wege aus schwierigen Situationen auf. Sich allzu lange mit Problemen aufzuhalten, war allerdings nicht seine Sache, vielmehr war er stets bedacht auf möglichst rasche und, wenn es sein musste, auch unkonventionelle Lösungen. Verwaltungstechnische Hürden und Einwände von weniger couragierten Kollegen hielten ihn niemals auf, stets das zu tun, was ihm das menschlich Notwendige schien.

Professor Diether Raff interessierte sich bis zum letzten Tag für „sein Institut“, das Internationale Studienzentrum, und sein Erfolg lag ihm bis zum Schluss am Herzen.

Monika Gardt
Kommissarische Direktorin

"Herbst" (Sonderkurs für tunesische Regierungsstipendiaten, 14.10.2020)

Dieses Gedicht wurde nach zwei Wochen Deutschunterricht verfasst.

Herbstgedicht 1